Ungenutzte Ressourcen im Ehrenamt aktivieren

Was wäre Deutschland ohne das Ehrenamt? Wie würde sich unsere Gesellschaft verhalten, wenn wir wenige bis gar keine Menschen hätten, die sich ehrenamtlich engagieren? Sportvereine wären ohne Menschen die sich engagieren nicht existenzfähig, viele Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche könnten gar nicht stattfinden und selbst die Betreuung von hilfsbedürftigen Menschen wäre nicht mehr möglich. Jede Gestaltungsmöglichkeit außerhalb der Arbeit und Schule würde Unsummen an Geld kosten und wenige Menschen könnten diese Angebote wahrnehmen. Ohne das Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft nicht so bunt und vielseitig, wie sie sich jetzt zeigt.

Betrachtet man die Entwicklung des Ehrenamtes in Deutschland, sieht man einen jährlichen Anstieg von Menschen, die sich neu engagieren. Jedoch hört man von vielen Seiten, dass es immer noch zu wenige sind. Gerade Sportvereine klagen über mangelndes Engagement und nicht selten scheitern diese an zu wenigen Trainern.
Woran liegt das? Statistische Erhebungen zeigen, dass das Engagement zunimmt. Doch oft wird der Stellenwert des Ehrenamtes unterschätzt und viele Ehrenamtliche klagen über eine mangelnde Anerkennung ihrer Tätigkeit. Eine Umfrage zeigt, dass 67,5% aller Befragten über 16 Jahre sich aufgrund von Zeitmangel nicht ehrenamtlich engagieren.

Hoher Aufwand mit Familie kaum zu bewältigen

Hier stellt sich die Frage, inwiefern diese Personen keine Zeit haben. Ein erster Schritt diese Menschen zu aktiveren wäre eine transparentere Darstellung der verschiedenen Möglichkeiten von ehrenamtlichen Tätigkeiten in Verbindung mit dem potenziellen Zeitaufwand. Eine weitere statistische Erhebung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass der zeitliche Aufwand von 68% aller Befragten bis zu fünf Stunden pro Woche beträgt. Deshalb ist die zusätzliche Belastung zur eigenen hauptamtlichen Tätigkeit ein großes Hindernis. Viele Arbeitgeber finden ehrenamtliches Engagement gut, haben aber oftmals nicht die Möglichkeit dieses zu berücksichtigen und entsprechend zu fördern. Nichtsdestotrotz wird gerade in vielen Sportarten oder bei einem Engagement in Hilfsorganisationen eine gute Ausbildung gefordert, denn in der Regel wird diese auch vom Träger finanziert. Jedoch scheitert diese qualitätssichernde Ausbildung an der Zeit, die ein Ehrenamtlicher aufbringen muss. Der staatlich vorgeschriebene Sonderurlaub reicht selten dafür aus, weshalb der normale Urlaub zum größten Teil dafür aufgebracht werden muss. Dies kann gerade für Familien ein großes Problem darstellen. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Auf der einen Seite möchte man gut ausgebildete Ehrenamtlicher, aber der Zeitaufwand für eine entsprechende Ausbildung ist immens und unter normalen Umständen kaum tragbar.

Möchte man das Ehrenamt noch attraktiver gestalten, müssen sich Arbeitgeber, Politiker und Träger zusammensetzen und nach Lösungen suchen. Eine Erhöhung des Sonderurlaub und eine Auflockerung der Rahmenbedingungen wären ein erster Schritt in die richtige Richtung. Weiterhin sollten die Organisationen bemüht sein, zusätzliche Transparenz in ihre ehrenamtliche Tätigkeiten zu bringen. Das Anpreisen von Möglichkeiten der Mitgestaltung des öffentlichen Lebens reicht hier nicht aus. Man muss unter anderem den potenziellen zeitlichen Aufwand aufzeigen.

Umdenken in allen Bereichen des öffentlichen Lebens

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Potenzial zur Aktivierung von neuen Ehrenamtlichen in unserer Gesellschaft gegeben ist, jedoch muss ein Prozess des Umdenkens in allen Bereichen des öffentlichen Lebens stattfinden. Jeder Einzelne sollte sich die Frage stellen, wie er der Gesellschaft etwas zurückgeben kann, da es fast niemanden gibt, der noch nicht vom Ehrenamt profitiert hat. Jeder der sich in irgendeiner Art und Weise ehrenamtlich engagiert verdient folglich größten Respekt und Anerkennung für seine Tätigkeit. Um dieses wichtige Gut unserer Gesellschaft weiter zu erhalten bedarf es einige Änderungen, um aktuelle und zukünftigen Problemen erfolgreich zu entgegnen.

Unwort des Jahres

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Nun ist es endlich soweit. Das Unwort des Jahres ist „Gutmensch“. Nach dem im letzten Jahr „Lügenpresse“ als Sieger hervor ging, war es eigentlich abzusehen, dass „Gutmensch“ dieses Jahr gewinnt.

Neben dem Unwort des Jahres wird auch jährlich von der sprachkritischen Jury in Darmstadt, von der Gesellschaft für Sprache, auch das Wort des Jahres gewählt. Dieses Jahr ist es der Begriff „Flüchtlinge“ geworden.

Gegen die Pauschalisierung und Stigmatisierung von Flüchtlingen

Das neue Jahr hat noch nicht angefangen, die guten Vorsätze konnten noch nicht über Bord geworfen werden und schon hat uns die Realität wieder eingeholt. Eine Gesellschaft spaltet sich immer weiter und führt im neuen Jahr fort, was 2015 begonnen wurde. Es ist einfach jedes neue Problem auf die Flüchtlinge zu schieben und so schnell einen wehrlosen Sündenbock zu finden. Jedoch wurde zum Glück einigen Menschen eine Fähigkeit gelehrt, die sich inzwischen immer mehr bewährt hat. Die „differenzierte Betrachtung aktueller und vergangener Geschehnisse in Deutschland und der Welt“.

Was in der Nacht zum Jahreswechsel in Köln passiert ist, ist in keinster Weise schönzureden. Die Täter müssen – sofern es möglich ist – schnellst möglich gefasst werden und mit der Härte des Gesetzes für ihre Taten bestraft werden. Ob die Polizei sich durch falsches Handeln ebenfalls schuldig gemacht hat möchte ich gar nicht kommentieren. Dazu ist der Informationsfluss noch zu wage und in vielen Fällen sehr widersprüchlich. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Die Pauschalisierung der Täter ist, was mich absolut verärgert. Ich möchte niemanden in Schutz nehmen oder verteidigen, aber direkt Pauschal alle Täter und Beteiligten als Flüchtlinge zu stigmatisieren und dies dann auf sämtliche Flüchtlinge in Deutschland zu beziehen, ist einfach falsch und genauso wenig akzeptabel wie die Übergriffe an sich.
Bei der ganzen Debatte um Flüchtlinge, deren Aufnahme, Verteilung und Integration muss man aber jeden Fall einzeln betrachten. Allein diesen Weg von Syrien, Irak, Äthiopien und sonst woher nimmt niemand ohne weiteres auf sich. Kaum betreten sie das europäische Grenzgebiet in Bulgarien, Griechenland, Italien oder Spanien werden sie in der Regel wie Dreck behandelt. Was sich an den Grenzen abspielt hat nur noch wenig mit Menschenrechten zu tun. Sie fliehen vor Krieg, Terror, Unterdrückung, Folter und Hungersnot. Sie verlassen ihre Heimat nicht einfach so und vertrauen ihr Leben kriminellen Schleppern an ohne eine Sicherheit zu haben lebendig die Küsten der europäischen Grenzländer zu erreichen.
Haben sie es nach Monaten nach Deutschland geschafft und sind mit hunderten fremden Menschen in Schulen, Turnhallen oder Kasernen untergekommen ist ganz bestimmt nicht ihr erster Gedanke sich an Silvester zu einem Mob zusammen zu schließen und Frauen zu vergewaltigen. Ich möchte nicht jeden Flüchtling in Schutz nehmen, schwarze Schafe gibt es immer. Aber es ist schlichtweg falsch zu behaupten, dass die Anzahl der Straftaten durch die Flüchtlinge stark gestiegen ist. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Straftaten gestiegen sind, aber nicht durch Flüchtlinge, sondern GEGEN Flüchtlinge. Es vergeht kaum ein Tag an dem man nicht hört, dass Unterkünfte in Brand gesetzt werden oder Flüchtlinge auf offener Straße angefeindet werden.
Anstatt sich über Flüchtlinge zu beschweren und sie alle als kriminell darzustellen, sollte man lieber in den Dialog mit ihnen gehen. Man sollte sich einfach ihre Geschichten anhören. Danach kann man dann immer noch urteilen und sie in gewisse Schubladen schieben. Aber sinnlos alles was gerade passiert zu pauschalisieren und auf sein eigenes Umfeld zu beziehen ist der absolut falsche Weg.
Sich über mangelnde Perspektiven und Integrationsmöglichkeiten zu beschweren ist natürlich auch sehr einfach. Inzwischen sind viele Organisationen, die sich um Flüchtlinge kümmern sehr offen und sind über jede Hilfe sehr dankbar. Also nicht beschweren, sondern einfach selber mit anpacken und sich engagieren. Nur so kann man etwas verändern!

Wenn jemand Fragen zu dieser ganzen Debatte hat kann sich gerne an mich wenden oder entsprechende Literatur zur Hand nehmen.

Zeichen setzen – Jetzt erst recht!

Der Start meines eigenen Blogs „Blick über den Tellerrand“ sollte eigentlich mit einem anderen Beitrag anfangen, aber die Ereignisse am vergangenen Freitag haben mich nach langer Überlegung dazu bewegt ebenfalls dieses Thema aufzugreifen. Ich möchte nicht über die Taten, die Hintermänner, den IS oder so schreiben. Es geht mir um unsere Gesellschaft, innerhalb Europas und vor allem innerhalb Deutschlands.

Relativ schnell wurde am Tag nach den Anschlägen die Kritik an der Flüchtlingspolitik laut und die Hetze gegen Flüchtlinge erreichte zum Teil ein neues Level. Meine größte Befürchtung ist, dass sich unsere Gesellschaft in der nächsten Zeit weiter spalten wird. AfD, Pegida und NPD sorgen für die nötigen Anlaufstellen und anstatt Lösungen vorzustellen, schüren sie weiter neue Ängste. Die Geschehnisse in Paris liefern jetzt noch die perfekte Nahrung, um weiter in den Umfragen zu steigen und bei den nächsten Wahlen in den Bundestag oder in andere Länderparlamente vertreten zu sein. Es liegt an uns, an jedem selbst, sich dagegen zu stellen und ein klares Zeichen zu setzen.

Die Menschen, die hier zu uns kommen, fliehen vor dem Terror. Sie fliehen genau vor solchen Anschlägen, wie es diese am vergangenen Freitag gab. Sie wollen hier oder in anderen europäischen Ländern ein neues Leben ohne Terror, Angst und Verfolgung anfangen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass unter den Tausenden wohl auch Schläfer sind, die nur darauf warten ihre Bomben zu zünden, jedoch ist dies für mich kein Grund die Grenzen dicht zu machen oder sonstige massive Einschränkungen der persönlichen, in der Verfassung stehenden, Freiheit einzubüßen. Wenn sie nicht mit den Flüchtlingen, welche aus wirklicher Not kommen, über die Grenze reisen, dann machen sie das auf anderen Wegen. Wer wirklich in Europa oder Deutschland eine Bombe zünden will, der schafft es auch. Dazu bedarf es nicht zwangsläufig ein Flüchtlingsstrom.

They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.  Benjamin Franklin (1775)

Dieses Zitat hat mir mein Bruder mal vor einiger Zeit vorgestellt. Es trifft meiner Meinung nach jetzt ziemlich die Stimmung in Europa. Wir dürfen uns nicht durch solche Anschläge in unserer Freiheit einschränken lassen. Weder von Terroristen, noch von der Politik, welche mit stumpfen Aktionismus uns ein Gefühl der Sicherheit geben möchte. Man muss sich bewusst machen, was ich oben schon angedeutet habe, dass es unmöglich ist, alles und jeden komplett zu sichern, ohne ein massives Eingreifen des Staates in unsere Grundrechte. Dafür ist Deutschland einfach zu groß. Es geht nicht. Klar versucht man der Bevölkerung, durch Präsenz der Polizei, ein Gefühl der Sicherheit zu geben, jedoch können unsere Beamten auch nicht überall sein. Weiterhin würde mich eine massive Polizeipräsenz an jeder Ecke auch bedrücken und beunruhigen, wenn nicht sogar mein Gefühl von Freiheit einschränken. Dies soll keine Kritik an der Polizei sein, sondern nur klar machen, dass es einfach nicht funktionieren kann alles und jeden Winkel des Landes zu sichern und ganz abgesehen von Ideen über die Errichtung von Zäunen und starken Grenzkontrollen.

Ich persönlich warte nur noch darauf, dass die Politiker wieder die Vorratsdatenspeicherung ins Spiel bringen. Ein massiveres Eingreifen in die Persönlichkeitsrechte aller Bürger gibt es nicht. Aber es wird wohl nicht lange dauern, bis diese Debatte wieder von neuem geführt wird, obwohl eine Vorratsdatenspeicherung schon vor einiger Zeit von europäischen Gerichtshof verboten wurde und gegen EU-Recht verstößt.

Ein militärisches Eingreifen in Syrien wäre die absolut falsche Lösung. Sie würde den Terror zwar bekämpfen, aber ist Rache und Vergeltung die einzige Lösung die wir im 21. Jahrhundert haben? Nein ist sie nicht. Es wäre das falsche Signal, wenn die Bundesregierung sich jetzt dazu entscheidet militärisch in Syrien tätig zu werden. Es würde uns noch weiter in das Fadenkreuz der Terroristen bringen und die Anschlagswahrscheinlichkeit noch weiter erhöhen.

Wir als Volk, als Gesellschaft, als Menschen können ein Zeichen setzen. Wir müssen es sogar. Gemeinsam müssen wir den Terroristen zeigen, dass diese brutalen und menschenverachtenden Gräueltaten uns nicht klein machen. Wir sind zwar geschockt, traurig und verletzt, aber wir dürfen dem Terror keinen Platz geben. In den letzten Tagen konnte man in sozialen Netzwerken, auf der Straße, auf Sportplätzen und vielen anderen Orten in Deutschland immer wieder kleinere und auch größere Aktionen zur Solidarität mit dem französischen Volk sehen. Schweigeminuten, Gottesdienste und sogar veränderte Facebookbilder. Klar ist den betroffenen Familien, Angehörigen und Freunden nicht geholfen, aber viel schlimmer wäre es, wenn wir untätig blieben und nichts machen würden.

Unsere Gesellschaft muss sich gemeinsam für eine sichere Zukunft einsetzen. Nur als Einheit können wir dem Terror etwas entgegen setzen. Man kann Hass und Verachtung nicht mit dem Selben bekämpfen.

Darkness cannot drive out darkness; only light can do that. Hate cannot drive out hate; only love can do that. Martin Luther King

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Start in die Woche und freue mich über jede konstruktive Kritik.

Jens